Urlaubsanspruch im Einzelhandel

Zuletzt aktualisiert: November, 2019

kauffrau-im-einzelhandel-urlaubsanspruchBei jeder beruflichen Tätigkeit in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis gibt es für den Arbeitnehmer auch einen Urlaubsanspruch. Das gilt natürlich auch im Einzelhandel und ebenfalls bereits in der Ausbildung zum/-r Kaufmann/-frau im Einzelhandel. Grundsätzlich ist Urlaub eine bezahlte Freistellung von deiner Tätigkeit. Der Urlaub ist für gewöhnlich in deinem Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag geregelt. Aber es gibt gesetzliche Mindesturlaubstage, an die sich jeder Arbeitgeber halten muss.

Urlaub muss per Gesetz gewährt werden

In Deutschland ist alles gesetzlich geregelt, so auch auch der Urlaubsanspruch. Dafür gibt es eigens das Bundesurlaubsgesetz. Hierin wird unter anderem gesagt, dass die Befreiung von der Arbeitspflicht in Form einer Erholungsphase für jeden Arbeitnehmer notwendig ist. In diesem Gesetz steht auch, dass du für die Zeit des Urlaubs normal dein Gehalt weiter bekommst. Rechtlich wird das als Urlaubsentgelt beschrieben – das ist nicht zu verwechseln mit Urlaubsgeld.

Wie viel Urlaub gibt es pro Jahr?

Die genaue Zahl an Urlaubstagen wird im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag geregelt. Nach dem Bundesurlaubsgesetz gibt es aber Regelungen zu einer Mindestzahl an Urlaubstagen, die du auf jeden Fall pro Jahr bekommen musst. Wenn du eine normale Arbeitszeit von sechs Tagen die Woche hast, dann musst du mindestens 24 Tage im Jahr Urlaub bekommen. Bei einer 5-Tage-Woche ist dein Mindesturlaubsanspruch 20 Tage im Jahr. In den meisten Fällen wird dein Urlaubsanspruch höher ausfallen, vor allem wenn ein Tarifvertrag bei deinem Arbeitgeber gilt.

Im Bereich des Einzelhandels gibt es meist eine 6-Tage-Woche. Damit hast du mindesten 24 Tage im Jahr Urlaub. Gerade bei kleineren Unternehmen führt das hin und wieder zu Diskussionen, aber die gesetzliche ist klar und müsste deinem Arbeitgeber auch bekannt sein. Bei den großen Einzelhändlern hast du meist deinen Urlaubsanspruch nach Tarifvertrag und dieser ist in der Regel mehr als 24 Tage im Jahr.

Wann kann ich Urlaub beanspruchen?

Nach dem Bundesurlaubsgesetz ist es so, dass du deinen ersten Urlaub frühestens nach den ersten sechs Monaten deiner Anstellung beziehungsweise deinem Ausbildungsbeginn nehmen kannst. Nach den sechs Monaten darfst du dann den vollen Urlaubsanspruch ausschöpfen. Gehst du innerhalb der ersten sechs Monate, nimmst du ein Zwölftel deines Urlaubsanspruchs pro vollendeten Monat, in dem du beschäftigst warst, als Urlaubsanspruch mit.

Solltest du über einen längeren Zeitraum krank sein, verkürzt sich dadurch dein Urlaubsanspruch nicht. Auch aus anderen Gründen der Arbeitsunfähigkeit, beispielsweise bei einem Unfall oder aufgrund des Mutterschutzes, darf sich dein Urlaubsanspruch nicht verkürzen. Außerdem darf dein Arbeitgeber dir den Urlaubsanspruch nicht abkaufen, indem du beispielsweise für mehr Gehalt auf deinen Urlaubsanspruch verzichtest. Eine Ausnahme besteht, wenn das Arbeitsverhältnis endet und der Urlaubsanspruch nicht mehr voll in Anspruch genommen werden kann.

Bekomme ich mehr Urlaubstage mit der Zeit?

Mit zunehmenden Alter oder längerer Betriebszugehörigkeit ändert sich dein Urlaubsanspruch nicht. Ganz im Gegenteil: Eine solche Regelung wäre ein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Mehr Urlaub aufgrund einer längeren Zugehörigkeit zum Unternehmen oder aufgrund von Älterwerden ist rechtlich nicht zulässig.

Kann ich selbst bestimmen, wann ich Urlaub nehme?

Tatsächlich kannst du grundsätzlich selbst bestimmen, wann du deinen Urlaubsanspruch geltend machen willst. Du reichst deinen Urlaubsantrag ein und dein Arbeitgeber muss deinen gewünschten Urlaub akzeptieren. Von der Regelung gibt es jedoch einige wichtige Ausnahmen.

Wenn es Betriebsferien gibt, in denen das ganze Unternehmen die Tätigkeit einstellt, musst du für diese Zeit Urlaub nehmen. Unabhängig von den Betriebsferien muss es dir aber in der übrigen Zeit ermöglicht sein, mindestens zwölf Urlaubstage am Stück nehmen zu können. Außerdem sind Betriebsferien zu Zeiten, die für Arbeitnehmer unangemessen sind, nichtig.

In bestimmten Branchen, dazu zählt auch der Einzelhandel, gibt es besondere Zeiträume im Jahr, für die Urlaubssperren verhängt werden können. Diese Zeiträume müssen eine besondere wirtschaftliche Wichtigkeit für das Unternehmen besitzen. Das sind Hochsaisonzeiten wie beispielsweise das Weihnachtsgeschäft bei vielen Einzelhändlern.

Darüber hinaus kann es in einzelnen wichtigen Fällen dazu kommen, dass Urlaub versagt werden darf. Diese Absage muss ausführlich erklärt und aus wichtigem Grund erfolgen. Wenn der Arbeitgeber nur organisatorische Schwierigkeiten durch den Urlaub hat, ist das kein ausreichender Grund.

Ich will meinen Urlaub kurzfristig verschieben – geht das?

Einmal eingereichter Urlaub muss in dieser Form auch wahrgenommen werden. Ein kurzfristiges Verschieben ist in der Regel nicht möglich. Wenn du krank wirst, kannst du für den Zeitraum der Krankheit keinen Urlaub haben. Das wäre somit eine Ausnahme, die ein Verschieben des Urlaubs ermöglicht.

Andersherum kann auch der Arbeitgeber nicht einfach den Urlaub abbrechen und dich zurückberufen. Das geht nur in sehr dringenden Notfällen. Unerwartete Mehrarbeit oder organisatorische Probleme sind kein berechtigter Grund, deinen Urlaub abbrechen zu lassen.

Können mehrere Mitarbeiter gleichzeitig in Urlaub gehen?

Rein rechtlich gesehen, ist es kein Problem, wenn deine Kolleginnen, Kollegen und du gleichzeitig Urlaub beantragen und in den Urlaub gehen. Dennoch sollte es hier unternehmensinterne Absprachen geben, wer wann in den Urlaub geht. Alle Abteilungen sollten zu jeder Zeit ausreichend mit Personal besetzt bleiben. Wenn gleichzeitige Urlaubswünsche die Gefahr einer Betriebsschädigung bringen, können einzelne Anträge auch abgelehnt werden.

Kann ich Urlaub ins nächste Jahr übertragen?

Man muss nicht zwingend den Urlaubsanspruch des Jahres auch in dem betreffenden Jahr verbrauchen. Es besteht die Möglichkeit, den restlichen Urlaub ins Folgejahr zu übertragen. Dabei gilt es, die Frist 31. März zu beachten. Resturlaub muss bis zu diesem Datum verbraucht sein, sonst verfällt der Urlaubsanspruch.

Bekomme ich Urlaubsgeld?

Urlaubsgeld ist eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers, die auch beispielsweise über ein Tarifvertrag vereinbart sein kann. Einen rechtlichen Anspruch auf Urlaubsgeld hast du nicht.

Befreiung von der Arbeit aus anderen Gründen

Neben dem Urlaubsanspruch regelt das Gesetz auch weitere Gründe, die dich von der Arbeit befreien. Diese sind beispielsweise im Bürgerlichen Gesetzbuch erwähnt. Darunter zählt die Geburt des eigenen Kindes, die eigene Hochzeit, der Tod eines nahen Angehörigen oder eine schwere Erkrankung in der engeren Familie.

Anmerkung

Die oben erwähnten Regelungen schildern die gesetzliche Situation zum Urlaubsanspruch. Tarifverträge und einzelne Arbeitsverträge können den Urlaubsanspruch und andere Bestimmungen zum Urlaub anders regeln. Nicht immer sind solche Regelungen zu deinem Vorteil, die gesetzlichen Mindestbestimmungen müssen aber in allen Fällen eingehalten werden.

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