Verkürzung der Ausbildungszeit im Einzelhandel

Zuletzt aktualisiert: Juli, 2019

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Du wirst sicherlich bereits von der Möglichkeit gehört haben, die Ausbildungszeit zu verkürzen. Diese Möglichkeit besteht natürlich auch in der Ausbildung zum/-r Kaufmann/-frau im Einzelhandel. Doch du kannst nicht einfach so die Ausbildungszeit verkürzen, sondern musst dafür bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Allgemeiner Grundsatz zur Ausbildungszeitverkürzung

Grundsätzlich besteht bei allen anerkannten Ausbildungsberufen die Möglichkeit, die Ausbildungszeit zu verkürzen. Somit auch bei der Ausbildung zum/-r Einzelhandelskaufmann/-frau. Die entsprechenden Regelungen zur Ausbildungszeitverkürzung sind allgemein im Berufsbildungsgesetz festgehalten und konkretisiert für die einzelnen Berufe in der Ausbildungsordnung. Im Berufsbildungsgesetz wird die sogenannte Regelausbildungszeit beschrieben. Darunter fallen dann auch die möglichen Abweichungen von der Regelzeit, sprich die Verkürzung oder auch Verlängerung der Ausbildungszeit.

Welche Möglichkeiten der Ausbildungszeitverkürzung gibt es?

Bis vor wenigen Jahren musste die Ausbildungszeit verkürzt werden, wenn der Auszubildende das Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) gemacht hat. Das ist mittlerweile aber nicht mehr so. Diese automatische Verkürzung wird nicht mehr gewährt, stattdessen kannst du die Ausbildungszeit verkürzen, wenn du eine der nachfolgenden Bedingungen erfüllst.

Wenn du ein schulisches Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) gemacht oder die Berufsfachschule besucht hast, kann diese Zeit auf deine Ausbildungsdauer angerechnet werden. Die genauen Voraussetzungen dafür unterscheiden sich je nach Bundesland. Wird die vorherige Zeit angerechnet, kannst du damit deine Ausbildung um sechs oder gar zwölf Monate verkürzen. Das erste Ausbildungsjahr wird damit kürzer oder entfällt ganz. Das bedeutet auch, dass du schneller das Gehalt des zweiten Ausbildungsjahres erreichst.

Eine weitere Verkürzungsmöglichkeit besteht, wenn du bereist eine Ausbildung zuvor erfolgreich abgeschlossen hast. Die vorherige Ausbildung muss dabei zum selben Berufsbild gehören oder zu deinem derzeitigen Ausbildungsberuf verwandt sein. Im Normalfall können dann maximal zwölf Monate auf deine derzeitige Ausbildung angerechnet werden und du verkürzt die Ausbildung somit um das erste Ausbildungsjahr.

Bei der dualen Ausbildung wird allgemein von einem zuvor erworbenen Hauptschulabschluss ausgegangen. Wenn du einen höheren Schulabschluss mitbringst, kannst du so deine Ausbildungszeit ebenfalls verkürzen. Bei einem Realschulabschluss ist eine Verkürzung um sechs Monate möglich. Bei einem Abitur, Fachabitur oder einem gleichwertigen Abschluss kannst du deine Ausbildung sogar um bis zu zwölf Monate verkürzen.

Diese Gründe sind keine Muss-Bestimmungen, sondern sind im jeden Einzelfall zwischen dem Auszubildenden und dem Ausbildungsbetrieb sowie der IHK zu klären. Eine Ausbildungszeitverkürzung hat natürlich den Vorteil der Verkürzung an sich, sodass du schneller in den beruflichen Direkteinstieg kommst. Aber es sind auch mögliche Nachteile abzuwägen. Entscheidest du dich für die Verkürzung, musst du einen entsprechenden Antrag stellen. Zudem ist eine vertragliche Vereinbarung mit deinem Ausbildungsbetrieb für die Verkürzung notwendig.

Wie und wo reiche in den Antrag auf Ausbildungszeitverkürzung ein?

Deinen Antrag auf Verkürzung der Ausbildungszeit reichst du bei der zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK) ein. Die IHK entscheidet dann über die Verkürzung. Dabei kannst du den Antrag direkt nach Abschluss des Ausbildungsvertrags einreichen oder zu einem späteren Zeitpunkt.

Im ersten Fall wird die Verkürzung in das Verzeichnis der Ausbildungsverhältnisse eingetragen. Nach der entsprechenden vertraglichen Vereinbarung mit deinem Ausbildungsbetrieb werden die notwendigen Zeugnisse und Kopien bei der IHK eingereicht. Alles zusammen ist dann dein Antrag auf Verkürzung der Ausbildungszeit. Die IHK gibt dem Antrag in der Regel dann auch statt.

Beantragst du die Verkürzung zu einem späteren Zeitpunkt, kannst du dies formlos unter Angabe der Gründe sowie mit beigefügten Zeugnissen und Kopie bei der IHK einreichen. Die Veränderungen im Ausbildungsplan, die sich dadurch ergeben, müssen dein Ausbildungsbetrieb und du dann zwingend einhalten. Eine spätere Beantragung kann im Normalfall nur bis zum Ende des ersten Ausbildungsjahres erfolgen.

Vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung

Eine andere Art der Verkürzung deiner Ausbildungszeit ist möglich, wenn du vorzeitig zur Abschlussprüfung zugelassen wirst. Das ist dann möglich, wenn du entsprechend gute Leistungen in deiner Ausbildung gezeigt hast. Wenn deine schulischen und betrieblichen Leistungen einen Notenschnitt von mindestens 2,49 aufweisen, kannst du es mit einem Antrag auf vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung versuchen. Dem Antrag sind Zeugnisse der Berufsschule und deines Arbeitgebers beizufügen sowie das Berichtsheft. Die Entscheidung liegt dann bei der IHK.

Kann ich mehrere Verkürzungen geltend machen?

Wenn für dich mehrere Gründe für eine Verkürzung der Ausbildungszeit vorliegen, kannst du in der Regel auch mehrere Verkürzungen beantragen. Gesetzlich geregelt ist allerdings eine Mindestausbildungszeit, die du auf jeden Fall erfüllen musst. Dauer die Ausbildung dreieinhalb Jahre, musst du mindestens zwei Jahre Ausbildungszeit machen. Bei drei Jahren normale Ausbildungszeit sind es 18 Monate und bei zwei Jahren normale Ausbildungszeit 12 Monate. Im Falle der üblicherweise dreijährigen Ausbildung zum/-r Einzelhandelskaufmann/-frau kannst du somit maximal um die Hälfte verkürzen.

Verlängerung der Ausbildungszeit

Umgekehrt können auch besondere Umstände vorliegen, die eine Verlängerung deiner Ausbildungszeit rechtfertigen. Beispielsweise bei langen Krankheitszeiten, einer Behinderung, wenn die Ausbildung mangelhaft ist oder wegfällt sowie bei anderen gravierenden Problemen in der betrieblichen oder schulischen Berufsausbildung kannst du einen Antrag auf Verlängerung der Ausbildung stellen. Wenn dein Ausbildungsbetrieb schuldhaft für eine Verlängerung deiner Ausbildung ist, hast du sogar Schadensersatzansprüche.

Für alle Fragen zu deiner Ausbildung, einschließlich der Möglichkeiten zur Verkürzung der Ausbildungszeit und der Verlängerung der Ausbildungszeit, steht dir ein Ausbildungsberater von der IHK zur Verfügung. Dort erhälst du entsprechenden Rat und wie du am besten deinen Antrag stellst.

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